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Calciumcitrat vs. Calciumcarbonat

Was ist besser, wenn keine Knochen gefüttert werden?

Bei BARF ist es entscheidend, eine ausgewogene Nährstoffzusammensetzung sicherzustellen. Besonders bei der Versorgung mit Mineralstoffen wie Calcium spielt es eine große Rolle, auf die richtige Form zu achten. Zwei häufig verwendete Calciumpräparate sind Calciumcitrat und Calciumcarbonat. Aber welches davon ist am besten für Hunde und was sind die Unterschiede zwischen den beiden? In diesem Blogbeitrag werfe ich einen Blick auf die wissenschaftlichen und medizinischen Aspekte dieser beiden Calciumformen und ihre Eignung für die BARF-Ernährung.

 

 

Nutrigenomik – kurz erklärt

Die Nutrigenomik beschreibt die Wechselwirkung zwischen Nährstoffen und der Genexpression.

Mineralstoffe beeinflussen nicht nur die Versorgung des Körpers, sondern auch:

  • Signalwege des Zellstoffwechsels

  • Entzündungsprozesse

  • Hormonregulation

  • Knochenstoffwechsel (Osteoblasten- und Osteoklastenaktivität)

Calcium ist dabei kein reiner „Baustoff“, sondern ein zellulärer Botenstoff, der genetisch regulierte Prozesse direkt beeinflusst.

Schlussfolgerung aus der Nutrigenomik:Nicht nur wie viel Calcium zugeführt wird, sondern in welcher Form und wie gut es bioverfügbar ist, entscheidet über seine Wirkung auf den Organismus.

Calcium in der BARF-Ernährung – nutrigenomische Perspektive

Calcium ist ein essenzielles Mineral für den Körper, das vor allem für den Aufbau von Knochen und Zähnen wichtig ist. Es spielt außerdem eine Rolle in der Muskelfunktion, der Nervenübertragung und der Blutgerinnung. In der BARF-Ernährung ist es wichtig, dass der Calciumbedarf des Hundes gedeckt wird, um Knochengesundheit, Muskelkraft und weitere körperliche Funktionen zu unterstützen.

  • ein stabiles Calcium-Phosphor-Verhältnis

  • eine gleichmäßige Calciumverfügbarkeit, um hormonelle Gegenregulation (Parathormon, Vitamin-D-Aktivierung) zu vermeiden

  • eine gute intestinale Aufnahme, da unresorbiertes Calcium Entzündungen, Dysbiosen und Fehlfermentationen fördern kann

 

Gerade bei BARF-Rationen ohne Knochen wird daher häufig auf Calcium-Supplemente zurückgegriffen – meist Calciumcarbonat oder Calciumcitrat.

Calciumcarbonat

v  enthält ca. 40 % elementares Calcium und ist damit sehr konzentriert. Es ist eine der häufigsten Formen von Calcium und wird oft als Nahrungsergänzungsmittel verwendet. Es ist eine mineralische Form von Calcium, die in der Natur in Form von Kalkstein und Kreide vorkommt. Calciumcarbonat ist in der Regel günstiger und enthält mehr elementares Calcium pro Dosis als Calciumcitrat.

Pro:

  • hohe Calciumdichte/-gehalt → effizient bei korrekter/gesunder Magensäure

    • bedeutet, dass man weniger von der Substanz benötigt, um den Calciumbedarf zu decken.

  • sinnvoll bei jungen, gesunden Hunden mit guter Verdauungsleistung

  • passt gut zu BARF-Rationen mit ausreichend Magensäureproduktion

Kontra:

  • benötigt stark saures Milieu zur Ionisierung

    • Hunde mit weniger Magensäure (z.B. ältere Hunde oder Hunde mit Magenproblemen) können Schwierigkeiten haben, dieses Calcium richtig zu absorbieren.

  • bei verminderter Magensäure (Stress, Alter, Medikamente, chronische Entzündungen) → geringere Resorption

  • unverstoffwechseltes Calcium kann:

    • die Darmflora beeinflussen

    • entzündliche Prozesse begünstigen

    • regulatorische Gene des Calciumstoffwechsels „fehltriggern“

 

Schlecht verfügbares Calcium kann zu kompensatorischer Hormonaktivierung führen (z. B. verstärkte Parathormon-Ausschüttung), was langfristig Knochenstoffwechsel und Nieren belasten kann.

Calciumcitrat

v enthält nur ca. 21–24 % elementares Calcium, ist besser und leichter löslich, kann daher besser vom Körper aufgenommen werden als andere Calciumverbindungen. Calciumcitrat hat einen neutralen pH-Wert und ist auch für Tiere mit empfindlichem Magen besser verträglich.

 

Pro:

  • unabhängig von Magensäure gut resorbierbar

    • kann vom Körper effizienter aufgenommen werden, insbesondere in einem sauren Milieu des Magens. Das bedeutet, dass es für Hunde mit Verdauungsproblemen oder einem weniger sauren Magen besser geeignet ist.

  • stabile Calciumionen → gleichmäßige Versorgung der Zellen

  • geringere Gegenregulation durch Hormone

  • wirkt zusätzlich:

    • leicht alkalisierend

    • stoffwechselentlastend

    • möglicherweise protektiv gegenüber Harnsteinbildung

·      relevant für:

o   ältere Hunde

o   Hunde mit chronischen Entzündungen

o   Stressbelastete Tiere (Stress ↓ Magensäure)

o   Hunde mit empfindlicher Darmflora

 

Kontra:

  • Calciumcitrat ist in der Regel teurer als Calciumcarbonat.

  • Im Vergleich zu Calciumcarbonat enthält Calciumcitrat weniger elementares Calcium pro Tablette oder Messlöffel, sodass eine größere Menge benötigt wird, um den gleichen Calciumgehalt zu erreichen.

Direkter Vergleich

 

Kriterium

Calciumcarbonat

Calciumcitrat

Elementares Calcium

hoch

moderat

Abhängigkeit von Magensäure

hoch

gering

Bioverfügbarkeit

variabel

stabil

Einfluss auf Genregulation

potenziell schwankend

gleichmäßiger

Darmverträglichkeit

bei Sensibilität kritisch

sehr gut

Geeignet für

junge, gesunde Hunde

sensible, ältere, kranke Hunde

Einordnung für die BARF-Praxis

 

Im Einklang mit der Thieme-Nutrigenomik-Literatur lässt sich sagen:

  • Calciumcarbonat ist technisch ausreichend, wenn:

    • der Hund gesund ist

    • die Verdauung stabil ist

    • Knochenstoffwechsel und Darmflora unauffällig sind

  • Calciumcitrat ist physiologisch überlegen, wenn:

    • BARF ohne Knochen gefüttert wird

    • eine konstante Calciumwirkung gewünscht ist

    • langfristige metabolische Stabilität im Fokus steht

 

Es gibt keine pauschale Antwort, welche Form von Calcium besser für Hunde in der BARF-Ernährung ist. Beide haben ihre Vor- und Nachteile, und die Wahl hängt von verschiedenen Faktoren ab. Nicht die maximale Calciumzufuhr ist entscheidend, sondern die Form, die dem Organismus erlaubt, Calcium ohne Stress, Entzündung oder hormonelle Gegenregulation zu nutzen.

Fazit

Unter Berücksichtigung der Aspekte lässt sich Calciumcitrat nicht pauschal als „besser“, aber als stoffwechselphysiologisch sanfter und genetisch harmonischer einordnen.

 

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