Silvester
- Tanja Haß
- 4. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Umgang mit Angsthunden an Silvester, den Tagen davor und danach - Medizinisch, verhaltenstherapeutisch & naturheilkundlich

Die Silvesternacht stellt für viele Hunde eine extreme Stresssituation dar. Der plötzliche Lärm, die unvorhersehbaren Lichtreize sowie die veränderte Umgebung führen bei sensiblen Tieren häufig zu Angstreaktionen. Diese reichen von leichter Unruhe bis hin zu ausgeprägten Panikattacken. Damit eure Hunde sicher durch diese Zeit kommen, ist eine Kombination aus Vorbereitung, sicherem Management, Verhaltenstraining, naturheilkundlicher Unterstützung und – wo sinnvoll – medizinischen Maßnahmen hilfreich.
1. Tage vor Silvester – Vorbereitung und Prävention
1.1 Stressreduzierende Maßnahmen
Hunde, die zu Geräuschangst neigen, befinden sich oft schon vor Silvester in erhöhter Alarmbereitschaft. Sinnvolle, wissenschaftlich gestützte Maßnahmen sind:
Ruhige, strukturierte Tagesabläufe: Routinen geben Sicherheit und vermindern Stresshormone wie Cortisol.
Ausreichende körperliche und geistige Auslastung: Regelmäßige Spaziergänge und geistige Beschäftigung fördern Entspannung, ohne zu überfordern.
Sichere Umgebung einrichten: Ein bereits vertrauter Rückzugsort (z. B. Hundebox, Körbchen, ruhiges Zimmer) sollte frühzeitig vorbereitet und positiv verknüpft werden.
1.2 Geräuschdesensibilisierung (Langzeitmaßnahme)
Für sehr ängstliche Hunde kann eine langsame Desensibilisierung mit Geräuschaufnahmen (Knallen, Feuerwerk) sinnvoll sein. Dies muss jedoch mehrere Wochen bis Monate im Voraus erfolgen und sollte idealerweise unter Anleitung (z.B. durch einen Gesundheitscoach für Hunde) durchgeführt werden.
1.3 Naturheilkundliche Möglichkeiten
Pheromontherapie (z. B. Adaptil)
Wissenschaftlich gut untersucht.
Nachbildung von Beruhigungspheromonen, die Hündinnen für ihre Welpen bilden.
Kann Angst und Stress spürbar reduzieren.
Ideal als Halsband, Verdampfer oder Spot-on.
Pflanzliche Präparate
(Bitte immer mit Tierarzt oder Tierheilpraktiker abklären – auch natürliche Stoffe können Wechselwirkungen haben.)
Bachblüten (z. B. Rescue Remedy)
Häufig zur emotionalen Stabilisierung genutzt.
Besonders in Situationen akuter Nervosität.
Passionsblume, Baldrian, Melisse, Hopfen (Phytotherapie)
Können beruhigend wirken, ohne starke Sedierung.
Unterstützen das vegetative Nervensystem.
CBD-Öl (tiergeeignete Produkte!)
Kann beruhigend wirken und Stress reduzieren.
Wichtig: richtige Dosierung & Qualität beachten
Nicht bei Lebererkrankungen ohne tierärztliche Rücksprache.
Ernährung & Zusatzstoffe
Bestimmte Nährstoffe unterstützen die körpereigene Stressregulation:
L-Tryptophan: Grundbaustein für Serotonin, stimmungsaufhellend.
L-Theanin (z. B. aus grünem Tee): fördert ruhige Wachheit und senkt Stress.
Omega-3-Fettsäuren: entzündungshemmend, unterstützen Gehirnfunktion und Stressresilienz.
1.4 Unterstützung durch tierärztliche Maßnahmen
Bei stark ausgeprägter Geräuschphobie können tierärztlich verordnete Präparate notwendig sein:
Beruhigungsmittel / angstlösende Medikamente (z. B. Pheromone, pflanzliche Präparate oder – bei schweren Fällen – anxiolytische Medikamente auf Rezept).
Wichtig: Niemals eigenständig Medikamente geben, die nicht speziell für Hunde vorgesehen sind.
2. Die Silvesternacht – Akute Unterstützung
2.1 Sicherheitsmaßnahmen
Da Angst zu Fluchtverhalten führen kann, ist körperliche Absicherung entscheidend:
Brustgeschirr und doppelte Sicherung (z. B. Leine + Sicherheitsleine).
Stabile Karabiner überprüfen, um Materialbrüche zu verhindern.
Hunde niemals ungesichert draußen lassen.
2.2 Verhalten des Halters
Hunde orientieren sich stark am Verhalten ihrer Bezugsperson:
Ruhe bewahren: Ein gelassener Halter signalisiert Sicherheit.
Sanfte Körpernähe und Berührung: Das ruhige Streicheln („Runterstreicheln“) kann die Herzfrequenz senken und sorgt für Beruhigung.
Ablenkung durch Geräusche: Leise, aber gleichmäßige Hintergrundgeräusche (Musik, TV, Brown Noise) können laute Knallreize überdecken.
Wichtig: Das Trösten ängstlicher Hunde verschlimmert die Angst nicht, wie früher oft behauptet. Studien zeigen, dass Sicherheit und Nähe für viele Hunde hilfreich sind.
2.3 Geschützter Rückzugsort
Hunde suchen instinktiv Schutz. Erlaubt ihnen, Orte aufzusuchen wie:
unter dem Bett
im Körbchen
in einer Transportbox
auf der Couch in eurer Nähe
Wenn möglich, früh schlafen zu gehen kann sinnvoll sein – vor allem, wenn ihr die Hunde durch Ruhe und Anwesenheit beruhigt.
3. Tage nach Silvester – Nachsorge, Stabilisierung und Schutz
Der Stresspegel fällt nicht sofort ab. Viele Hunde reagieren noch Tage später hochsensibel auf Geräusche.
3.1 Sicherheitsregeln fortführen
Leinenpflicht und Geschirr unbedingt beibehalten.
Schon kleinere Auslöser wie ein plötzliches Geräusch oder ein entfernter Knall können erneut Fluchtreaktionen auslösen.
3.2 Entlastung und Stabilisierung
Ruhige Spaziergänge in vertrauter Umgebung
Vermeidung zusätzlicher Stressoren (z. B. neue Situationen, hektische Orte)
Weiterhin Rückzugsorte anbieten
3.3 Beobachtung des Hundes
Signale wie Zittern, Hecheln, Unruhe oder Appetitlosigkeit können Hinweise auf anhaltenden Stress sein.Bei länger anhaltenden Problemen sollte ein Tierarzt oder ein verhaltenstherapeutisch geschulter Trainer konsultiert werden.
4. Abschließende Empfehlung
Silvester kann jeden Hund treffen – auch Tiere, die bisher keine Angst gezeigt haben. Bitte sichert eure Hunde, bleibt ruhig und gebt ihnen die Sicherheit, die sie benötigen.
Ich wünsche euch und euren Hunden einen ruhigen und sicheren Start ins neue Jahr!





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